Nicolas Frank

Stationen einer Duftreise – Grasse

Vor über 30 Jahren inspirierte die Hauptstadt der Düfte den Autor Patrick Süßkind zu einem literarischen Meisterwerk über einen grausamen Mörder, der nur an einem interessiert gewesen ist – dem perfekten Duft. Auch wir bei YUNIQU haben eigentlich nichts anderes im Sinn, sind auf unserer Suche danach jedoch wesentlich umgänglicher. Die Stadt, um die sich die faszinierenden Begebenheiten im Roman drehen, ist eine kleine Stadt abseits von Canne. Die Rede ist von Grasse.

Wer schon mal in der Nähe einer Gerberei gewesen ist, weiß wie unangenehm und bissig die Dämpfe dieser Arbeit in der Nase stechen. Im Mittelalter war die heutige Dufthauptstadt bestens bekannt für sein hervorragendes Leder aber auch berüchtigt für den Gestank. Um die Produkte für die Kundschaft attraktiver, also weniger stinkend zu gestalten, nutzte Galimard, ein Gerber, die Schätze der Provence. Er tauchte seine Handschuhe in Bäder aus Lavendel, Orangenblüte, Mimose und allerlei anderer wohlduftende Gewächse.

Heute werden in der Stadt erfolgreich Meisterparfümeure ausgebildet. Man nennt sie „Nez“ (Nase) und nach 7 Jahren sind sie in der Lage um die 6000 Düfte erkennen zu können. Zwar kommen die Rohstoffe, die im 17. Jahrhundert noch alle vorwiegend direkt um Grasse angebaut wurden, nun auch über Importe zu den Parfumeuren, doch rund 30 Parfümfabriken in der Stadt beweisen, dass Grasse so schnell niemand entthronen wird, auch nicht Paris.

Grasse ist in jedem Fall eine Reise wert. In der Stadt wimmelt es von Parfümerien, die sich wie kleine Paradiese in das Straßengewirr aus alten und neuen Gebäuden einfügen. In der Stadt gibt es natürlich das Musée internationale de la Parfümerie, in dem es alles zu erkunden gibt, was Grasse an Duftgeschichte und Parfumkunst zu bieten hat. Doch Wissenswertes findet man auch anderorts. Nahezu jede Fabrik bietet touristische Führungen an, aber damit nicht genug. Wer endlich ein eigenes, unverwechselbares und tatsächlich einzigartiges Parfum sein Eigen nennen möchte, kann sich dort unter fachmännischer Hilfestellung eines kreieren. Vielleicht entdeckt so der ein oder andere, dass an ihm eine „Nez“ verloren gegangen ist.

Bis zum nächsten Mal Eure Tatjana